Leitartikel
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Kultur und Nachhaltigkeit
Der Begriff Nachhaltigkeit ist in der Definition vor allem besetzt durch ökologische, energetische und moralische Themen. In der Kulturförderung wird «nachhaltig investiert», und man meint damit Gebäudemanagement, Betriebsökonomie, soziale Teilhabe und faire Anstellungsbedingungen. Ziel dieser Nachhaltigkeitsdefinitionen sind langfristige, krisenfeste Finanzierungs- und Organisationsmodelle für Kultureinrichtungen. Doch das Wichtigste geht komplett vergessen. Jährlich investieren wir als Gesellschaft in der Schweiz gemeinsam Geld in die Bereiche Kultur und Kunst, in die Kreativwirtschaft, um so das immaterielle, geistige Wachstum der Gemeinschaft voranzutreiben. Wir wollen miteinander und voneinander lernen, uns gemeinsam austauschen, moralische Themen diskutieren, debattieren und so als mündige Menschen weiterkommen. Die Idee ist,… ... weiterlesen....
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Neue Beiträge
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Sturm- und Fallhöhen erotischer Frauenfantasien
«Allein gelassen von meinem Segler, ging ich in den letzten Wochen öfter in die Bar Monaco. Da traf ich IHN. Dunkle, lockige Haare, dichte Augenbrauen, Hände, die zupacken können; die Muskeln spielten unter seinem eng anliegenden Shirt. Sein Geruch war herb, er war gross, jung, und während ich den Schaum meines Cappuccinos leckte, verschlang er mich mit seinen Blicken. Ein süffisantes Lächeln umspielte seine Lippen, als ich mich auf den Weg zur Toilette erhob – und da war er plötzlich, ganz nah. Ich spürte seinen Körper an meinem Rücken und wurde beinahe ohnmächtig.» Keine Angst, liebes Publikum, ich bin nicht… ... weiterlesen.
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Der Untergang der guten Absichten: Lionel Shriver
Lionel Shriver ist grossartig, aber in Deutschland ist ihr Stern schon lange gesunken. Als Tilda Swinton 2011 die eindrückliche Rolle der Mutter eines Amokläufers spielte, in einem Film basierend auf dem Roman Shrivers, war dies noch anders. Der Deutschlandfunk liebte Lionel Shriver, die sich einen Männernamen gab, um überhaupt publizieren zu können, über alle Massen. Auch noch 2018 lobte der Deutschlandfunk den dystopischen Roman Shrivers «Eine amerikanische Familie». Herrlich «politisch unkorrekt» und amüsant sei die Geschichte, die doch unfassbar düster ausfällt. Seit Shriver jedoch mit «Mania» einen bissigen Roman über das Feuilleton selber verfasst hat, hören wir nichts mehr von den… ... weiterlesen.
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«nice to have!»
Ich suche seit Jahren nach politischen Erklärungen, warum Kultur und Kunst so wichtig sind. Das klingt aus der Feder des Chefredaktors der grössten Kulturzeitschrift der Schweiz, der seit einem Vierteljahrhundert ein riesiges Archiv an Beiträgen zu Kultur und Kunst veröffentlicht hat, sicher eigenartig. Parallel sehen und spüren wir aber alle, dass da irgendwo ein Fehler im System ist: Wir investieren als Gesellschaften jährlich Millionen in «Kultur», doch irgendwie geht’s nicht voran. Und ohne Kultur, das sehen wir zurzeit ganz gut in der Welt, zerbrechen Gesellschaften. Ein Artikel, der schon seit 25 Jahren geschrieben werden müsste: Durch ein Gespräch mit einem… ... weiterlesen.
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Messalina. Intrigen, Macht und Orgien im antiken Rom und darüber hinaus
Da die zeitgenössische Politik nur Migräne verursacht, höre ich stundenlang Podcasts zum Untergang des Römischen Reiches und lerne die Ilias auswendig, in Altgriechisch notabene. Letzteres ist nur teilweise geschummelt, aber nach der Lektüre des grossartigen Buches von Honor Cargill-Martin, «Intrigen, Macht und Orgien im antiken Rom», weiss ich, dass ich als Frau punkto Narrative eh keine Chance habe und erzählen, ja sein kann, was und wer ich will; die Nachwelt wird mit ihren Projektionen und nicht über mein wahres Leben berichten. Der Dichter Juvenal (60–130 n. Chr.) nahm sich der Kaiserin Messalina über fünfzig Jahre nach ihrem Tod an. Juvenal… ... weiterlesen.
Ausser WIR tun es!

Und dann reden wir und reden und alle haben eine Meinung: Die anderen müssen was tun. Auch das hat viel mit Kultur zu tun. Wir Menschen müssen handeln, und durch das, wie wir handeln, entsteht das Zusammenleben, das gemeinsame Leben hier auf diesem Planeten. Ein Yoga-Guru hat mal gesagt: «Wir sind geistige Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen auf der Erde.» Mir gefällt dieses Bild und es nimmt der «Meinungskonzentration» ihre Kraft. Auch die KI wird damit zurückgestellt und natürlich auch ein weiteres Mal die DespotInnen, die mit erhobenen Fäusten auf andere Menschen einschlagen.
Darum sind Kultur und Kunst nicht einfach reine Unterhaltung. In diesen Bereichen spiegelt sich das Schaffen der Menschheit – ja, natürlich nicht immer in der besten Qualität. Oft sind diese Branchen genauso korrupt und unehrlich wie eben im normalen Arbeitsalltag. Der wichtigste Unterschied ist allerdings, dass die KulturjournalistInnen dem Kulturschaffen und Kunstschaffen und «dem, was der Mensch erschafft», eine Definition geben, es beschreiben und archivierbar machen. Und so werden Kultur und Kunst erst wichtig. Ein altes Indianersprichwort, welches wahrscheinlich noch nie ein Indianer ausgesprochen hat, besagt: «Vergiss nie, woher du kommst.»
Das ist der Grund, warum Kulturzeitschriften historischen Wert haben. Und mich beängstigt, dass gerade der Kulturjournalismus langsam ausstirbt und wir das gesamte Geld der Kulturförderung (immerhin fast 3 Milliarden Steuergelder in der Schweiz pro Jahr, plus nochmals so viel von Stiftungen und privaten UnterstützerInnen) in das Vergessen investieren: Wir haben keine Ahnung, was mit dem Geld letztes Jahr aufgebaut wurde und welche «Investitionen in die Gesellschaft» wir erreicht haben. Niemand schaut zurück.
Darum mein Aufruf: abonniert eine Kulturzeitschrift, auch wenn es nicht euer Hauptinteresse ist (beim ensuite-Jahresabo läuft grad eine Aktion!). Medien leben davon und sie dokumentieren einen Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Beim «ensuite» ist das immerhin ein Vierteljahrhundert und mindestens 12’000 Artikel, die produziert wurden und damit ein riesiges historisches Archiv erschaffen haben. Unnötig zu erläutern, dass der Verlag komplett unterbezahlt, sogar mit Schulden, unterwegs ist. Wofür? Damit SchweizerInnen und die Welt nicht vergessen … Absurd, oder?
Deswegen: Ausser WIR tun es!











